Heimkino-Filmkritik

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Victoria

Victoria


Filmposter via TMDb (themoviedb.org)

Cast & Crew:

Regie: Sebastian Schipper

Besetzung: Laia Costa (Victoria), Frederick Lau (Sonne), Franz Rogowski (Boxer), Burak Yigit (Blinker), Max Mauff (Fuß), André Hennicke (Andi), Anna Lena Klenke (Junge Mutter), Philipp Kubitza (Junger Vater)

Produktion: Sebastian Schipper, Jan Dressler

Drehbuch: Sebastian Schipper, Olivia Neergaard-Holm, Eike Schulz

Filmmusik: Nils Frahm

Kamera: Sturla Brandth Grøvlen

Schnitt: Olivia Neergaard-Holm

Story:

Die junge Spanierin Victoria lebt erst seit kurzer Zeit in Berlin und kennt bislang nur wenige Menschen in der Stadt. Nach einer durchfeierten Nacht begegnet sie vor einem Club den vier Freunden Sonne, Boxer, Blinker und Fuß. Besonders zu Sonne fühlt sie sich schnell hingezogen und schließt sich der Gruppe auf ihrem nächtlichen Streifzug durch Berlin an. Was zunächst wie eine spontane und unbeschwerte Begegnung beginnt, nimmt jedoch zunehmend eine gefährliche Wendung. Boxer muss eine alte Schuld begleichen und benötigt dafür die Hilfe seiner Freunde. Als plötzlich auch Victoria in die Sache hineingezogen wird, findet sie sich gemeinsam mit den jungen Männern in einer Situation wieder, die immer weiter außer Kontrolle gerät. Aus einer zufälligen Bekanntschaft entwickelt sich innerhalb weniger Stunden eine Nacht, die das Leben aller Beteiligten grundlegend verändert.


Heimkino-Filmkritik:

„Victoria“ ist ein filmisches Experiment mit einer Laufzeit von weit über zwei Stunden. Was zunächst etwas langweilig klingt und auch recht zögerlich beginnt, stellt sich im weiteren Verlauf als wahres Kunstwerk heraus. Der ruhige Einstieg ist ungemein atmosphärisch und erzeugt eine hohe Authentizität. Nach einer knappen Stunde nimmt der Film schließlich auch inhaltlich gehörig Fahrt auf. Das Atemberaubendste an „Victoria“ ist jedoch seine Machart: Der gesamte Film wurde in einem einzigen Take und vollständig ohne Schnitte gedreht. Das Geschehen läuft in Echtzeit ab und die Kamera bleibt der Hauptfigur Victoria nahezu ununterbrochen auf den Fersen. Die schauspielerische Leistung angesichts dieser durchgehenden Drehphase kann man gar nicht hoch genug bewerten – eine herausragende Leistung des gesamten Teams. Die Kamera steigt mit ins Auto, begleitet komplette Autofahrten, verlässt das Fahrzeug wieder, fängt Schusswechsel und Verfolgungsjagden ein und ist bei den ruhigen Momenten ebenso unmittelbar dabei wie beim dramatischen Showdown. „Victoria“ ist ein Must-see für jeden Cineasten. Ein Film aus Deutschland, wie man ihn nur selten sieht: mutig, innovativ, intensiv und konsequent. Große Klasse!

Zusatzinfos:

„Victoria“ wurde tatsächlich in einer einzigen, ununterbrochenen Einstellung gedreht. Schauspieler, Kamera- und Tonteam mussten die komplette Handlung am Stück bewältigen. Insgesamt wurde der Film dreimal vollständig auf diese Weise aufgenommen. Verwendet wurde schließlich der dritte und letzte Versuch, der am frühen Morgen des 27. April 2014 zwischen etwa 4:30 und 7:00 Uhr in Berlin entstand.

Als Grundlage diente kein klassisches Drehbuch, sondern lediglich eine etwa zwölfseitige Vorlage, die Szenen, Schauplätze und wesentliche Handlungsabläufe vorgab. Die Dialoge waren nicht ausformuliert, sondern wurden von den Schauspielern weitgehend improvisiert. Gerade diese Mischung aus genau festgelegter Struktur und spontanen Dialogen trägt wesentlich zum authentischen Eindruck des Films bei.

Die logistische Herausforderung war enorm: Die Handlung führte über 22 verschiedene Schauplätze im nächtlichen Berlin. Für den Ton arbeiteten beispielsweise drei Teams, die sich entlang der Route abwechselten: Während eines gerade aufnahm, warteten die anderen bereits an den folgenden Schauplätzen. Gedreht wurde mit einer vergleichsweise kompakten Canon C300.

Dabei lief keineswegs alles exakt nach Plan. Während der Flucht nach dem Banküberfall fuhr Hauptdarstellerin Laia Costa mit dem Auto versehentlich in die falsche Richtung. Die daraus entstehende Aufregung der Darsteller war echt. Kameramann Sturla Brandth Grøvlen musste spontan reagieren, damit keine Mitglieder der Filmcrew ins Bild gerieten und damit die komplette Aufnahme unbrauchbar machten.

Auch bei der Auswahl des deutschen Beitrags für den Oscar als bester fremdsprachiger Film spielte „Victoria“ eine Rolle und galt als einer der Favoriten. Letztlich wurde „Im Labyrinth des Schweigens“ ausgewählt. Als ein Grund wurde damals der mit etwa 49 Prozent zu hohe Anteil englischsprachiger Dialoge genannt; nach den damaligen Academy-Regeln durfte der englische Sprachanteil höchstens 40 Prozent betragen.

Mein Lieblingszitat aus dem Film:

Kein Zitat vorhanden.

Auszeichnungen:

  • Auszeichnungen bei der Berlinale 2015: Silberner Bär für eine herausragende künstlerische Leistung für die Kamera, Preis der Lesejury der Berliner Morgenpost und Preis der Gilde Deutscher Filmkunsttheater
  • Deutscher Filmpreis in Gold in den Kategorien „Bester Spielfilm“, „Beste Regie“ (Sebastian Schipper), „Bester Hauptdarsteller“ (Frederick Lau), „Beste Kamera“, „Beste Filmmusik“ und „Beste Hauptdarstellerin“ (Laia Costa)

  • Nominierung für den Goldenen Bären als „Bester Film“ bei der Berlinale 2015
  • Nominierungen für den Europäischen Filmpreis in den Kategorien „Bester europäischer Film“, „Bester europäischer Regisseur“ (Sebastian Schipper) und „Beste europäische Darstellerin“ (Laia Costa)
  • Nominierung für den Deutschen Filmpreis in Gold in der Kategorie „Beste Tongestaltung“
  • Nominierung für den Empire Award in der Kategorie „Bester Thriller“

Der Film erhielt zahlreiche weitere Auszeichnungen und Nominierungen internationaler Filmpreise.

Trailer

Soundtrack

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Bewertung

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