Sommer 1943 – Das Ende der Unschuld

Wołyń


Filmposter via TMDb (themoviedb.org)

Cast & Crew:

Regie: Wojciech Smarzowski

Besetzung: Michalina Labacz (Zosia Glowacka), Arkadiusz Jakubik (Maciej Skiba), Wasyl Wasylik (Petro), Adrian Zaremba (Antek Wilk), Izabela Kuna (Glowacka), Jacek Braciak (Glowacki), Maria Sobocinska (Helena Glowacka-Huk), Oleksandr Zbarazkyi (Vasyl Huk)

Produktion: Dariusz Pietrykowski, Andrzej Polec

Drehbuch: Wojciech Smarzowski

Buchvorlage: Stanisław Srokowski

Filmmusik: Mikolaj Trzaska

Kamera: Piotr Sobocinski Jr.

Schnitt: Pawel Laskowski

Story:

Wolhynien während des Zweiten Weltkriegs: Die junge Polin Zosia ist in einen ukrainischen Jungen aus ihrem Dorf verliebt, wird von ihrem Vater jedoch aus wirtschaftlichen Gründen mit dem wohlhabenden Ortsvorsteher Maciej verheiratet. Als der Krieg die Region erreicht, wird Maciej zum Militär eingezogen und Zosia bleibt mit ihrer neuen Familie zurück. In den folgenden Jahren gerät das friedliche Zusammenleben der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen zunehmend aus den Fugen. Wechselnde Besatzungsmächte, ethnische Spannungen und immer neue Gewalttaten bestimmen den Alltag. Während der Konflikt zwischen Polen und Ukrainern schließlich eskaliert, versucht Zosia inmitten von Krieg, Hass und gegenseitiger Vergeltung, sich und ihre Familie zu schützen.


Heimkino-Filmkritik:

Vom deutschen Titel sollte man sich bei „Sommer 1943 – Das Ende der Unschuld“ nicht abschrecken lassen. Im Original heißt der Film schlicht „Wołyń“, benannt nach der damals polnischen Region Wolhynien, die heute größtenteils im Westen der Ukraine liegt und in der die Handlung spielt. Dem Film gelingt ein unfassbar authentischer und intensiver Einblick in die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Die Grausamkeit des Krieges wird dabei nicht anhand großer Schlachten dargestellt, sondern anhand des Dorflebens einzelner Charaktere und den zunehmenden Spannungen insbesondere zwischen Ukrainern und Polen. In den ersten 100 Minuten gibt es zwar nur wenige, dafür aber bereits einzelne sehr brutale Szenen. Die Massaker von Wolhynien, durch die die Region traurige Bekanntheit erlangte, bestimmen schließlich das letzte Filmdrittel. Hier wird alles bis dahin Gesehene hinsichtlich Intensität und Brutalität noch einmal in den Schatten gestellt. Die kaum auszuhaltende Direktheit der Bilder konfrontiert den Zuschauer auf immens grausame Weise mit den Schrecken von Krieg, ethnischem Hass und enthemmter Gewalt. In der Art der Erzählung und ihrer Intensität sind dabei deutliche Parallelen zu Filmen wie „Geh und sieh“ (1985) und dem etwas später entstandenen „The Painted Bird“ (2019) zu erkennen. – „Sommer 1943 – Das Ende der Unschuld“ ist im Genre des Kriegsfilms ein echter Geheimtipp, aber ganz sicher nichts für schwache Nerven. Die Herabstufung der Altersfreigabe auf 16 Jahre (siehe Zusatzinfos) bleibt angesichts der drastischen Gewaltdarstellung äußerst kritisch zu hinterfragen.

Zusatzinfos:

Der Originaltitel „Wołyń“ bedeutet schlicht „Wolhynien“ und bezeichnet die historische Region, in der die Handlung angesiedelt ist. Der deutsche Verleihtitel „Sommer 1943 – Das Ende der Unschuld“ ist also eine komplette Neuschöpfung und legt den Schwerpunkt wesentlich stärker auf das Jahr der Eskalation.

Regisseur Wojciech Smarzowski schrieb das Drehbuch auf Grundlage von Motiven aus Stanisław Srokowskis Erzählband Nienawiść („Hass“). Darüber hinaus beschäftigte sich Smarzowski intensiv mit historischen Quellen und sprach für die Vorbereitung mit Zeitzeugen und Historikern. Zosia selbst ist eine fiktive Figur, viele der im Film dargestellten Ereignisse beruhen laut Smarzowski jedoch auf tatsächlichen Erlebnissen und überlieferten Berichten.

Der englischsprachige internationale Titel des Films lautet „Hatred“ („Hass“).

Der Film erhielt in Deutschland zunächst eine Freigabe ab 18 Jahren. Nach einer Berufung wurde die ungekürzte Fassung kurz vor der Heimkinoveröffentlichung auf FSK 16 herabgestuft. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits zahlreiche DVD- und Blu-ray-Cover mit dem FSK-18-Logo produziert worden, weshalb die Veröffentlichung vielfach noch mit dieser Kennzeichnung im Handel erschien.

Mein Lieblingszitat aus dem Film:

„Sind das Menschen oder Tiere?“
„Tiere sind nicht so grausam.“

Auszeichnungen:

  • Polnischer Filmpreis in den Kategorien „Bester Film“, „Beste Regie“ (Wojciech Smarzowski), „Beste Kamera“, „Beste Musik“, „Beste Kostüme“, „Bestes Szenenbild“, „Bester Schnitt“, „Bester Ton“ und „Publikumspreis“

  • Nominierungen für den Polnischen Filmpreis in den Kategorien „Bestes Drehbuch“, „Beste Hauptdarstellerin“ (Michalina Labacz), „Bester Hauptdarsteller“ (Arkadiusz Jakubik), „Beste Nebendarstellerin“ (Izabela Kuna), „Bester Nebendarsteller“ (Jacek Braciak) und „Entdeckung des Jahres“ (Michalina Labacz)

Der Film erhielt einige weitere Auszeichnungen und Nominierungen internationaler Filmpreise.

Trailer

Soundtrack

Kein Soundtrack verfügbar.

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