Heimkino-Filmkritik

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Geh und sieh

Idi i smotri


Filmposter via TMDb (themoviedb.org)

Cast & Crew:

Regie: Elem Klimow

Besetzung: Alexej Krawtschenko (Fljora), Olga Mironowa (Glascha), Liubomiras Laucevicius (Kosach), Wladas Bagdonas (Roubej), Viktor Lorenz (deutscher General), Jüri Lumiste (Nazioffizier), Jewgeni Tilischejew (Gezhel, deutscher Übersetzer), Tatjana Schestakowa (Fljoras Mutter)

Produktion: –

Drehbuch: Elem Klimow, Ales Adamowitsch, nach dem Roman "Stätten des Schweigens" von Ales Adamowitsch

Filmmusik: Oleg Jantschenko

Kamera: Alexej Rodionow

Schnitt: Valeria Belova

Story:

Weißrussland, 1943: Der junge Fljora schließt sich – gegen den Willen seiner Mutter – einer Partisaneneinheit an. Anfangs begreift er den Krieg noch als eine Art Abenteuer und träumt davon, an der Front zu kämpfen. Doch statt Ruhm und Heldentum erwartet ihn eine andere Realität: Er wird zurückgelassen, um gemeinsam mit Alten und Kindern ein Lager im Hinterland aufzubauen. Einsam und enttäuscht streift Fljora durch die Wälder, wo er auf das Mädchen Glascha trifft. Zwischen den beiden entsteht eine vorsichtige Verbindung, doch die trügerische Ruhe hält nicht lange an. Schon bald geraten sie mitten in einen brutalen Angriff der deutschen Wehrmacht. Nur knapp entkommen sie dem Tod. Fljora wird Zeuge unvorstellbarer Grausamkeiten, die ihn innerhalb kürzester Zeit seiner Kindheit berauben. Aus dem anfänglich naiven Jungen wird ein traumatisierter Überlebender, der die Schrecken des Krieges am eigenen Leib erfährt.


Heimkino-Filmkritik:

„Geh und sieh“ – früher auch unter dem Titel „Komm und sieh“ bekannt – ist ein ungemein intensiver Antikriegsfilm aus der Sowjetunion. Der weißrussische Originalton, größtenteils mit Untertiteln versehen, verstärkt die Authentizität ebenso wie das ungewöhnliche 4:3-Bildformat. Dass die deutschen Soldaten im Film Deutsch sprechen, trägt zusätzlich zur beklemmenden Glaubwürdigkeit bei. Der Film ist herausragend gespielt und wird insbesondere vom jungen Hauptdarsteller eindrucksvoll getragen. Seine Mimik durchläuft eine erschütternde Entwicklung – von anfänglicher Neugier und Begeisterung hin zu blankem Entsetzen und tiefer Verzweiflung. Die Intensität steigert sich dabei kontinuierlich. Viele Szenen brennen sich nachhaltig ins Gedächtnis ein – insbesondere die Schreie der eingepferchten Menschen. Die Grausamkeiten des Krieges und des Genozids werden schonungslos dargestellt, ohne dabei auf explizite Gewaltdarstellung zurückzugreifen. Das eigentliche Grauen entsteht vielmehr durch die Szenerie als solche und in der Vorstellung des Zuschauers, der den Ereignissen ähnlich hilflos ausgeliefert ist wie Fljora selbst. Besonders verstörend wirken auch die gegensätzlichen Bilder: Während hunderte Menschen verbrannt werden, zeigt der Film in Großaufnahmen die lachenden Gesichter deutscher Soldaten. Der Film endet mit einer Collage historischer Aufnahmen von Adolf Hitler, die teilweise rückwärts abgespielt werden. Dies kann als Versuch verstanden werden, die Unumkehrbarkeit der Geschichte zu verdeutlichen – und zugleich die Notwendigkeit, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, um eine Wiederholung solcher Verbrechen zu verhindern. – „Geh und sieh“ ist damit ein erschütterndes, beinahe dokumentarisch wirkendes Werk, das die Schrecken des 2. Weltkriegs auf beklemmend realistische und eindringliche Weise erfahrbar macht.

Zusatzinfos:

Der Originaltitel „Idi i smotri“ („Geh und sieh“) geht auf die Offenbarung des Johannes (Apokalypse) zurück. Dort kündigt der Satz „Komm und sieh“ das Erscheinen der apokalyptischen Reiter an – also Krieg, Tod und Zerstörung. In Deutschland wurde der Film lange unter dem Titel „Komm und sieh“ vermarktet. Später setzte sich jedoch die wörtlichere Übersetzung „Geh und sieh“ durch.

Der gebräuchliche englischsprachige Titel des Films lautet „Come and See“.

Regisseur Elem Klimov wollte maximale Authentizität erreichen. So wurden echte Explosionen und scharfe Munition verwendet und viele Szenen entstanden in echten Wald- und Sumpfgebieten.

Der Hauptdarsteller Alexej Krawtschenko war beim Dreh tatsächlich erst 14 Jahre alt.

Viele der gezeigten Gräueltaten basieren auf realen Ereignissen. In Weißrussland wurden im Zweiten Weltkrieg tausende Dörfer zerstört und die Bewohner in Scheunen verbrannt.

Mein Lieblingszitat aus dem Film:

„Von jedem von euch hängt es ab, wie lange er noch dauern wird, dieser Krieg. Keiner darf ein Feigling sein.“

Auszeichnungen:

Soundtrack

Trailer

Bewertung

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